27. September 2026 • Stefan
Zwischen Neusiedler See und XCode -- ein FLINTAXI-Sommer
Ein Sommer zwischen Podersdorf, Windsurfen, Liesl und jeder Menge FLINTAXI. Während das Projekt vom Live-Betrieb über das erste Driver-Meeting bis zu nativen iOS-Apps wächst, wechsle ich munter zwischen Entwickler, Produktmanager, UX-Designer, Tester und digitalem Hausmeister. Und jetzt wartet Android.
Mein letzter Blogbeitrag ist vom 3. August.
Das ist jetzt nicht gerade gestern.
Zu meiner Verteidigung: Es war Sommer. Und außerdem ist da noch dieses kleine Projekt namens FLINTAXI, das offenbar beschlossen hat, einen erheblichen Teil meiner freien Gehirnkapazität zu beanspruchen.
Wobei „Sommer" bei uns heuer ziemlich genau so ausgeschaut hat, wie ein Sommer ausschauen soll.
Viel Zeit in Podersdorf am Neusiedler See, unser Wohnmobil Liesl als zweites Zuhause, Windsurfen, Kitesurfen, Radfahren und natürlich regelmäßige Besuche in unserem Lieblingsbeisl Heurigen-Keller.
Vor allem aber habe ich viel schöne und wertvolle Zeit mit meiner Frau Marion verbracht.
Und das ist vielleicht etwas, das bei all den technischen Dingen, über die ich hier immer schreibe, manchmal zu kurz kommt: So ein Projekt kann einen ziemlich vereinnahmen. Umso wichtiger sind die Momente, in denen das MacBook zugeklappt bleibt, der Wind passt und man einfach gemeinsam irgendwo sitzt und den Sommer genießt.
Auch Sima war gemeinsam mit ihrer Schwester bei uns zu Besuch.
Kurz gesagt: Es war ein richtig schöner Sommer.
Nur hatte dieser Sommer eine kleine Besonderheit.
FLINTAXI war irgendwie immer mit dabei.
Vormittags Code, nachmittags See
Podersdorf hat sich im August zeitweise in eine Art ausgelagertes FLINTAXI-Entwicklungsbüro verwandelt.
Der Tagesablauf war nicht selten ungefähr:
Früh aufstehen. Kaffee. MacBook auf. Ein paar Stunden FLINTAXI. MacBook zu. Ab aufs Wasser oder aufs Rad.
Und manchmal natürlich auch:
MacBook auf. Problem finden. Problem lösen. Neues Problem finden. Kurz fluchen. Problem lösen. Dann aufs Wasser.
Softwareentwicklung ist schließlich auch eine Form von Ausdauersport.
Wenn ich heute meine Aufzeichnungen aus dem August durchsehe, bin ich selbst ein wenig überrascht, was in diesen Wochen alles passiert ist.
Denn Anfang August war FLINTAXI gerade erst wenige Tage live.
Und mit echten Menschen kommt etwas ins Spiel, das in keiner Testumgebung der Welt vollständig simulierbar ist:
die Realität.
Plötzlich geht es nicht mehr darum, ob etwas theoretisch funktioniert.
Es geht darum, ob jemand versteht, welchen Knopf er drücken muss. Ob ein Preis überall gleich angezeigt wird. Ob eine Nachricht wirklich ankommt. Ob ein Driver eine Fahrt übernehmen kann. Was passiert, wenn jemand sein Fahrzeug nicht ordnungsgemäß zurückgibt. Oder was das System macht, wenn ein Rider sein Smartphone ausgerechnet dann nicht zur Hand hat, wenn bezahlt werden soll.
Im August haben wir deshalb unglaublich viel an genau diesen Dingen gearbeitet.
Preise und Zuschläge wurden vereinheitlicht, die Preisverhandlung zwischen Rider und Driver weiterentwickelt und nachvollziehbarer gemacht, Großgruppen berücksichtigt und der komplette Ablauf rund um Zahlungen immer wieder verbessert.
Und dann sind da diese herrlich realen Probleme, die sich niemand am Schreibtisch ausdenken würde.
Zum Beispiel ein Driver, der ein Fahrzeug nicht zurückgibt und damit den nächsten Driver blockiert.
Also bekam FLINTAXI kurzerhand eine Fahrzeugübernahme. Der nächste Driver kann das Fahrzeug selbst übernehmen, sofern keine aktive Fahrt läuft.
Genau solche Dinge liebe ich inzwischen an diesem Projekt.
Nicht das Problem natürlich.
Aber den Moment, in dem aus einem echten Problem eine Funktion wird.
Aus Software wurde langsam ein Arbeitsgerät
Ein großer Teil des Augusts floss in das Driver-Dashboard.
Und dabei wurde mir immer klarer, dass wir keine Webseite bauen, auf der zufällig ein paar Taxifunktionen vorhanden sind.
Der Driver hat dieses Ding während der Arbeit ständig vor sich.
Also müssen Buttons groß genug sein. Informationen müssen genau dann erscheinen, wenn man sie braucht. Unnötiges muss verschwinden. Chat, Rider-Profil, Preis, Route und Fahrtstatus dürfen sich nicht gegenseitig erschlagen.
Das Dashboard wurde deshalb immer kompakter und stärker darauf ausgerichtet, dass es tatsächlich während einer Taxischicht verwendet wird.
Gleichzeitig wuchsen Chat und Support weiter zusammen. Nachrichten bekamen Gelesen-Status und Badges, auch vergangene Fahrten blieben erreichbar und viele Abläufe wurden dort verbessert, wo sie im echten Betrieb noch gehakt haben.
Das klingt alles nach Kleinigkeiten.
Aber genau aus diesen Kleinigkeiten entsteht irgendwann der Unterschied zwischen:
„Es funktioniert."
und
„Man kann damit arbeiten."
Meine Berufsbezeichnung? Gute Frage.
Was mir in diesem Sommer besonders bewusst geworden ist: Ich kann inzwischen selbst nicht mehr genau sagen, welche Rolle ich bei FLINTAXI eigentlich habe.
An einem Vormittag bin ich Entwickler.
Eine Stunde später Produktmanager.
Dann UX-Designer.
Danach Tester.
Zwischendurch Backend-Architekt.
Wenn am Server etwas klemmt, werde ich DevOps.
Wenn eine Abrechnung nicht stimmt, beschäftige ich mich plötzlich mit Stripe-Gebühren, Brutto, Netto und Auszahlungsbeträgen.
Und wenn nach einem Sync am Server die Dateirechte nicht stimmen, werde ich offenbar auch noch Hausmeister.
Digitaler Hausmeister halt.
Mit chown statt Werkzeugkoffer.
Auch das gehört inzwischen dazu.
Und dann kam Xcode
Ende August passierte dann etwas, auf das ich mich schon länger gefreut hatte.
Die nächste Phase begann:
FLINTAXI wurde nativ.
Am 26. August startete die Entwicklung der iOS Driver App.
Wichtig war mir dabei von Anfang an, nicht plötzlich ein völlig neues Produkt zu erfinden. Das Driver-Dashboard war inzwischen über Wochen mit echten Anforderungen gewachsen. Diese Erfahrung sollte nicht weggeworfen, sondern in eine native App übersetzt werden.
Also entstand die Grundarchitektur der Driver App mit den Bereichen Aktiv, Verfügbar, Fahrzeug, Kalender und Mehr -- inklusive der kompletten Logik einer Fahrt vom Annehmen bis zum Abschluss.
Schon kurz danach waren Profil, Bewertungen, Navigation und die ersten echten App-Abläufe vorhanden.
Und spätestens da war klar:
Das wird keine kleine Ergänzung zur PWA.
Das wird eine richtige App.
Zum ersten Mal alle an einem Tisch
Mitte September gab es dann noch einen Moment, der mit Code eigentlich gar nichts zu tun hatte -- und für mich trotzdem sehr wichtig war:
unser erstes Driver-Meeting.
Bis dahin kannte ich viele Namen, Anforderungen, Rückmeldungen und natürlich auch die eine oder andere Eigenheit aus dem System. Aber bei diesem Treffen habe ich zum ersten Mal alle Driver persönlich kennengelernt.
Das war für mich eine ganz andere Perspektive.
Denn plötzlich sitzen da nicht „User" oder Datensätze vor einem, sondern genau die Menschen, die mit dem arbeiten sollen, was wir in den
vergangenen Monaten aufgebaut haben.
Ich konnte ihnen zeigen, wohin Sima sich mit FLINTAXI bewegen will, was die Ziele sind und warum wir manche Dinge bewusst anders machen.
Und ich konnte erzählen, was hinter all den Funktionen steckt, die sie
im Alltag sehen -- und was noch kommen wird.
Auch da war meine Rolle wieder eine andere.
Nicht Entwickler. Nicht UX-Designer. Nicht DevOps.
Sondern jemand, der eine Idee erklären, eine Richtung vermitteln und die Menschen mitnehmen muss, die am Ende ein ganz wesentlicher Teil davon sind.
Für mich war dieses erste Treffen deshalb auch ein kleiner Meilenstein.
FLINTAXI besteht eben nicht nur aus Servern, Apps und Code.
Am Ende sind es Menschen, die gemeinsam daraus etwas machen.
Ein paar Wochen später ...
Heute muss ich ein bisschen schmunzeln, wenn ich auf diesen Start Ende August zurückblicke.
Denn inzwischen gibt es nicht nur die native Driver App, sondern auch die native Rider App.
Beide stehen mittlerweile bei Version 0.6 -- Build 1 und liegen über TestFlight bei unseren Testern.
In der Driver App gibt es inzwischen unter anderem Fahrten, Schichtplanung, Fahrzeugübernahme, Navigation, Chat, Einnahmen, Bewertungen, Dokumente und den kompletten Ablauf einer aktiven Fahrt.
Und auch die Rider App wächst inzwischen mit erstaunlicher Geschwindigkeit zu einem vollständigen Gegenstück heran.
Dazu kommen Dinge, die vor wenigen Wochen noch ziemlich weit weg gewirkt hätten -- etwa Live Activities, mit denen wichtige Informationen einer Fahrt direkt am Sperrbildschirm beziehungsweise in der Dynamic Island sichtbar werden.
Genau solche Dinge zeigen mir inzwischen, wohin die Reise geht.
Driver App und Rider App sollen sich nicht wie zwei zufällig miteinander verbundene Programme anfühlen.
Sie sollen zwei Seiten desselben Produkts sein.
Und jetzt?
Jetzt mache ich etwas, das mir als Entwickler bekanntlich besonders leichtfällt:
Ich lasse es einmal in Ruhe.
Zumindest ein bisschen.
Die aktuellen iOS-Versionen sind über TestFlight verteilt und jetzt dürfen unsere Tester ausführlich damit spielen, drücken, buchen, stornieren, zahlen und hoffentlich Dinge tun, auf die ich selbst nie gekommen wäre.
Das ist wichtig.
Denn irgendwann kennt man sein eigenes Produkt zu gut. Man weiß automatisch, wo man tippen muss, was ein Symbol bedeutet und was als Nächstes passieren sollte.
Ein Tester weiß das nicht.
Und genau deshalb braucht man ihn.
Und natürlich wartet bereits das nächste Kapitel:
Android.
Damit kommt zu Laravel, PHP, JavaScript, Swift und SwiftUI jetzt auch noch Kotlin mit Jetpack Compose dazu.
Weil mir offenbar fad war.
Ein Sommer, auf den ich gerne zurückblicke
Wenn ich diesen Sommer zusammenfassen müsste, würde ich trotzdem nicht zuerst an Code denken.
Ich würde an Podersdorf denken.
An Liesl.
An Wind.
Ans Surfen und Radfahren.
An Abende im Heurigen-Keller.
An Simas Besuch mit ihrer Schwester.
Und vor allem an die viele schöne Zeit mit Marion.
Dazwischen stand immer wieder irgendwo ein MacBook.
Und auf diesem MacBook ist aus FLINTAXI Stück für Stück etwas geworden, das sich für mich inzwischen ganz anders anfühlt als noch Anfang August.
Damals war die große Frage nach dem Go-live:
Funktioniert das alles auch in der Realität?
Heute beschäftigen wir uns mit Nutzererlebnis, App-Details, TestFlight und damit, dass Rider und Driver auf unterschiedlichen Geräten trotzdem dasselbe FLINTAXI erleben.
Das ist schon eine ziemliche Reise.
Und wahrscheinlich ist genau das meine liebste Rolle in diesem Projekt:
Nicht Entwickler.
Nicht Produktmanager.
Nicht Designer, Tester, Erklärer oder Server-Hausmeister.
Sondern irgendwie von allem ein bisschen.
Ich darf ein Produkt von einer Idee bis zu den kleinsten Details begleiten -- und jeden Tag sehen, wie es ein kleines Stück erwachsener wird.
Und jetzt dürfen erst einmal die Tester ran.
Ich gehe derweil gedanklich von Swift zu Kotlin.
Was soll schon schiefgehen?
Das ist der Weg.
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